Auszug aus Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung (1868) von Johannes Falke, der seit 1864 Archivar am Hauptstaatsarchiv in Dresden war.


Das Verkehrs- und Zollwesen

Für die Entwickelung von Sachsen ist die Flussstrasse der Elbe von grösster Bedeutung, wenn sie auch nie zu der Wirksamkeit gekommen ist, deren sie fähig gewesen wäre. Unter der Regierung des Kurfürsten Moritz begegnen wir dem Plane, diese Hauptverkehrsader Sachsens mit der Hauptflussstrasse der Mark Brandenburg, der Oder, in Verbindung zu setzen und dadurch die deutschen Ostseeküsten mit den östlichen Gegenden des Reiches und Europas auch durch einen Wasserweg an einander zu knüpfen. Der König Ferdinand war für diesen Plan besonders thätig und meldete am 7. Juni 1548 aus Augsburg dem Kur fürsten Moritz, dass er mit dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg Rath gehalten habe, durch welche Wege und Mittel künftig die Kaufmannsgüter von den Niederlanden aus der See herauf durch Sachsen und Brandenburg auf der Oder und Elbe bis nach Böhmen geführt, diese zwei Ströme in einandergeleitet und sonderlich die Oder eröffnet und schiffreich gemacht werden könnte. Auf den 7. October wurde eine Tagfahrt zu Frankfurt a/O. angesetzt und auch der Kurfürst Moritz dorthin eingeladen. Dieser fragte zuvor seine Räthe und den Bürgermeister von Leipzig um Rath, und wurde berichtet, dass man auf der Oder aus der See nur bis Frankfurt schiffen könne, von Frankfurt bis Breslau seikeine Schifffahrt; wolle man aber die Oder in die Elbe führen, so müsse jene zuvor in die Spree oder in die Havel geleitet werden, und es könne dann die Schifffahrt von hier bis nach Böhmen. Statt finden, ohne dass an Zöllen etwas abgehe, ausser was zu Jerbeck bis Leipzig gezollt werde. – Was die Güter betreffe, welche aufder Achse von< Leipzig nach Böhmen geführt würden, so werde auch da der Nachtheil nicht gross sein, da die Böhmen nicht selbst in die Niederlande handelten, sondern sich die daher kommenden Waaren aus Leipzig holten, doch würde es ein grosser Nachtheil sein, dass das bis jetzt auf der Achse nach Böhmen geführte Salz dann auf dem Wasser dorthin gehe, wodurch am Fuhrlohn gespart, an den Zolleinnahmen aber vieles verloren werde.

Auf dem Tagzu Frankfurt a./O., den 8. und 9. October 1548, der von kaiserlichen, kurbrandenburgschen und kursächsischen Gesandten besucht wurde, erklärte der Kaiser sich zur Oeffnung der Oder bereit, obwohl von Breslau an viele Mühlen, Wehre und andre Verhinderungen mit grossen Kosten wegzuräumen und die Besitzer dafür zu entschädigen seien, doch würden die Zolleinnahmen dagegen wachsen, denn ein Schiff führe mehr Waaren, als viele Wagen. Die kursächsischen Gesandten erklärten, dass der Kurfürst Moritz gemeinen Nutzen zu fördern geneigt sei, sofern solches ohne Nachtheil für ihn und seine Lande geschehen könne, hier aber hätten nur Brandenburg und Böhmen Vortheil zu gewärtigen; für seine Unterthanen und insbesondere für die Handwerker in seinen Städten würden gewisse Privilegien und Nutzungen verloren, welcher Verlust nicht, wie man vorwende, durch den billigeren Preis der Waaren aufgehoben werde, denn da der Handel der Schifffahrt folge, so verliere man die jetzige gewisse Nutzung und bekomme die künftige nicht. Diese Erklärung war hauptsächlich Schuld, dass sich die Verhandlungen zerschlugen.

Am 14. Novbr. 1555 schrieb der Kaiser Ferdinand an den Kurfürsten August, dass wegen der Oeffnung der Elbe und der Minderung der Zölle auf derselben schon früher eine Handlung und Vergleichung Statt gefunden habe, welche aber die lüneburgschen Herzöge und die Stadt Hamburg um ihres kleinen Privatvortheils willen verhindert hätten; jetzt habe er mit dem Markgrafen Johann einen Tag auf den 1. Febr. 1556 nach Frankfurt a. O. vereinbart, wohin auch der Kurfürst seine Abgeordneten senden möge. Dieser aber schickte nur ein Schreiben d. d. 30. Januar 1556 an die dort versammelten kaiserlichen Räthe und berief sich darin auf das vom Kurfürsten Moritz abgegebene Bedenken; auch er halte solches Vornehmen nicht rathsam, vielmehr diesen Landen und Unterthanen verderblich. Es würde allerlei Weiterung und Zerrüttung der alten Landstrassen, der ausgerichteten Verträge und gesprochenen Urteil verursachen, auch die Stadt Leipzig in ihrem vom römischen Kaiser und König verliehenen Stapelrecht und den drei Jahrmärkten, darnach denn auch von Alters her die Landstrassen aus Polen, Schlesien, den Seestädten und also fort gehalten und hergebracht wären, beeinträchtigen, wo nicht ganz verderben. Dessgleichen würden seine Unterthanen an allerlei Zugängen, die den Strassen folgten, verderblichen Nachtheil leiden, denn die Ilantirung werde geschwächt und die Waare auf der Elbe nach Böhmen vorübergeschafft werden. Desshalb habe er kaiserliche Majestät ersucht, hierin keine Neuerung zu gestatten noch zu suchen und lasse es bei dem, was sein Bruder dieser Schifffahrt halben mündlich und schriftlich habe vorbringen lassen. – Auf dieses Vorbringen erwiderten die kaiserlichen Abgeordneten, die Elbe sei ein offener freier Fluss, ein flumen publicum, der nach dem jus gentium durch private Rechte nicht könne beschränkt werden; auch könne um der einen Stadt Leipzig und ihrer Privilegien willen der allgemeine treffliche Nutzen nicht verhindert und allen andern das Schiffen auf der Elbe verboten werden, und überhaupt seien Privilegien gegen die Schiffahrt nicht vorhanden; Leipzig solle bei der Niederlage für das, was zu Lande geführt werde, bleiben, das gäbe der freien Schifffahrt auf der Elbe nichts zu schaffen. Die kursächsischen Abgesandten beriefen sich dagegen auf die mit dem König von Polen, den Herzogen von Sachsen, Pommern, dem Landgrafen von Hessen der Strassen halben aufgerichteten Verträge und aus diesen dürfe der Kurfürst nicht schreiten ohne die Bewilligung der andern Fürsten, von denen einige auch bereits gebeten hätten, in solche Schifffahrt nicht zu willigen; sie müssten desshalb auch solche Ablehnung an ihren Ort stellen und wollten kaiserl. Maj. unterthänigst gebeten haben, solchem Unterfangen nicht. Statt noch Raum zu geben, und niemand seiner Rechte und Gerechtigkeiten, Gewähr und Brauchs entsetzen zu lassen. Weil der Kurfürst von Sachsen und Herzog Franz Otto von Braunschweig zu dieser Handlung niemand geschickt, wohl aber geschrieben hatten, dass sie nicht einwilligen würden, so verabschiedeten am 4. Februar die anwesenden Räthe, dass kaiserl. Maj. zu bitten sei, den Herzog persönlich zu bescheiden und den Kurfürsten durch Gesandte von dieser Hinderung und Sperrung auf der Elbe abzubringen; könne aber solches von diesen Fürsten nicht erreicht werden, so wollten die versammelten Stände der Sache weiter nachdenken, und auf nächster Zusammenkunft endlich beschliessen.

 

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